Geh wählen, du Kartoffel!

Die Wahllokale in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und BaWü sind offen. Bewegt euren Allerwertesten zur nächstgelegenen Urne und macht euer Kreuz irgendwo links von der CDU, denn…

..wählen ist wie Zähneputzen: beides dauert nur 3 Minuten und wenn du’s vergisst, wird’s braun!

Zugegeben kein sonderlich innovatives oder kreatives Zitat, aber selbst ich, als überzeugte Zweifler an dem was gerne Demokratie genannt wird, muss zugeben, dass Wählen gegenwärtig das einzige Mittel ist, um die AfD-Faschisten in den Parlamenten klein zu halten. Also Arsch hoch! #noafd

Ich sage es auch ganz ehrlich und ohne es mit der Dramatik übertreiben zu wollen: mich gruselt es jetzt schon vor den Hochrechnungen heute Abend, besonders in Sachsen-Anhalt. Ich habe die abstrakte Angst, dass eines Tages meine Kinder mich fragen, „warum habt ihr denn damals, 2016, nichts gegen die Faschisten gemacht?“, genauso wie wir unsere (Ur-) Großeltern fragen mussten, warum sie 1933 nur apathisch zuschauten, als die NSDAP durch die Straßen zog. Zu groß sind die Parallelen…


UPDATE [2016_03_13 11:30Uhr]: Ich gab gerade meine Stimme ab und war doch sehr angenehm überrascht. Obwohl es erst halb 12 war, war das Wahllokal schon sehr gut besucht. Das gibt mir etwas Hoffnung.

Wahlprogramm AfD-SA

Der Verein Miteinander e.V. hat sich HIER mal die Mühe gemacht das „Wahlprogramm“ der AfD-Sachsen-Anhalt auseinander zunehmen und einzuordnen. Wie ich bereits hier im Blokk irgendwo mal schrub, ist das Programm mehr als bloß eine Hetzschrift gegen Geflüchtete. Die Autoren zeigen, dem Format geschuldet leider etwas zu knapp, wie sehr sich die AfD in allen Politikbereichen über Volk und Identität definiert. Egal ob Einwanderung, Bildung oder Kultur: was einige immer noch als „erzkonservativ“ bezeichnen würden, ist nichts anderes als pure völkische Ideologie. Argumentativ, wie auch rhetorisch, sind die Parallelen zur NSDAP oder Addis „Mein Kampf“ frappierend.

Ich muss ehrlich sagen, dass sich Teile des Programms gelesen haben, als ob es völlig aus der Zeit gefallen ist. Es ließt sich eher wie eine Streitschrift aus der Zeit der Weimarer Republik. Die Lösung der AfD für so ziemlich Alles liegt darin, einfach die Zeit zurückzudrehen. Zurück zur nationalen Identitäten, rechtlich-verankerter Rassismus und zu den Tugenden, die in zwei Weltkriege geführt haben. Mit dem Hintergrund wäre es wohl falsch die AfD auf Populismus und Protest zu reduzieren, denn sie ist, ideologisch und rhetorisch betrachtet, tief in der NS-Ideologie verwurzelt bzw. stellt sich selbst in deren Traditionslinie. Damit führt die AfD den Faschismus ins 21. Jahrhundert und macht ihn wieder salonfähig.

Es wird gerne das Argument gebracht, dass die Demokraten Anfang der 1930er die Gefahr durch die Nazis nicht abschätzen konnten und diese deshalb unterschätzt hätten. Wir hingegen seien durch unser Vorwissen deutlich sensibilisierter, weshalb „so etwas“ auch nicht noch mal passieren könne. Solange wir nicht deutlich benennen, dass die AfD-Menschen keine Populisten, sondern Faschisten sind, halte ich dieses Argument eher für eine Durchhalteparole zur Gewissensberuhigung. Ich habe im Geschichtsstudium noch gelernt „Geschichte wiederholt sich nicht“. Weil isso. Ich hoffe: stimmtso. Allein mir fehlt der Glaube…

Wahlaufruf

So langsam wird das hier in Sachsen-Anstalt wirklich beängstigend: AfD laut Demoskopen bei 17 (!) Prozent. Die SPD hat bei der gleichen Umfrage nur 1 Prozentpunkt mehr. Auch wenn die Landtagswahlen erst in einem Monat sind, ich möchte euch bereits jetzt schon dringend dazu aufrufen wählen zu gehen, egal in welchem Bundesland. Es ist mir auch völlig bumms wen oder was ihr wählt∗, Hauptsache ihr bleibt nicht zu Hause und macht die AfD damit noch stärker, als Sie ohnehin schon ist.

Selbst ich überzeugter „Ungültig-Wähler“ werde wohl mal über meinen Schatten springen müssen und mein kleines Kreuzchen machen.


∗Ich persönlich habe das Projekt „Linker Ministerpräsident“ noch nicht gänzlich aufgegeben, auch wenn das mit einem absolut charismafreiem linkem Spitzenkandidaten und insbesondere mit einer so starken AfD, eher unrealistisch ist. Aber CDUSPDFDPGrüne wählen ist auch in Ordnung, eh alles eine Suppe.


UPDATE: Und da ist es passiert. AfD lt Umfrage erstmals vor der SPD. Ich glaube lege besser Vorräte an und verschanze mich in meiner Bude. Das macht mir langsam alles zu viel Angst hier.

Elite für den Führer

Eieiei, ich lese mir gerade das AfD-Programm zur LTW Sachsen-Anhalt durch und ich habe echt viel schlimmes erwartet, *schweres atmen* aber was da drin steht, überrascht dann doch nochmals, insb. weil sich der Rassismus sich nicht nur auf Geflüchtete beschränkt, sondern einem in allen Teilen des „Programms“ ins Gesicht springt. Ich werde mir in den nächsten Tagen (also nach der Prüfungszeit 😦 ) mal die Mühe machen, Beispiele für ideologische und rhetorische Nähe der AfD zu anderen politischen Strömungen raus zu suchen und einzuordnen, aber für heute reicht wohl dieses Beispiel:

Schule ist auch eine Sozialisationsinstanz. Neben grundlegenden Kulturtechniken müssen deshalb ebenso die klassisch preußischen Tugenden Geradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß und Pflichtbewusstsein vermittelt werden. Um solche Tugenden zu vermitteln, bedarf es Autorität, weshalb die Stellung des Lehrers auch und gerade schulrechtlich zu stärken ist.
Hört sich alles nach Napola an, oder?