Ich als passionierter Hobbybaseballer habe zugegeben eine besondere Beziehung zu meinem Cap. Es repräsentiert den Verein für den ich spiele, spendet meinen Augen den ersehnten Schatten und kuhl aussehen tut’s in der Regel auch. Umso mehr könnte ich mich darüber aufregen, wie in den letzten Jahren das Basecap zum Modeartikel ohne Sinn, Verstand und Etikette vorkommen ist.
Am schlimmsten ist, dass die Leute Caps tragen von Teams, von denen Sie noch nicht mal wissen, welchen Sport sie überhaupt betreiben. Warum will denn eigentlich keiner wissen, welche Marke ihr da spazieren tragt? Und Stichwort Etikette: könnt ihr euch mal bitte angewöhnen, die depperten Silber glänzenden Aufkleber ab zumachen? Leute, das Ding sieht einfach nur dämlich aus und hat nix, aber wirklich gar nix mit Authentizität zu tun. Wisst ihr wie mensch diesen Aufkleber in den USofA nennt? Douchebag stamp, zu deutsch etwa Trottelbriefmarke. Passender könnte ich es auch nicht ausdrücken. Oder die höchste Form des Dinge-nicht-zu-Ende-denkens: Cap rückwärts aufsetzen und dann eine Sonnenbrille tragen. Aua.
Das Tragen eines Caps ist damit zur perfekten Metapher für unsere Konsumgewohnheiten geworden: alle müssen eins haben, weil es einfach Mode ist und so. Kritische Auseinandersetzung mit dem was auf dem Hut steht oder wo das Produkt herkommt? Fehlanzeige. (An der Stelle wäre es wohl überflüssig zu erwähnen, dass die meisten Caps von kleinen Kinderhänden in Bangladesch oder Mexiko gefertigt werden.) Stattdessen rennt mensch als Werbefläche für Dinge durch die Gegend, von denen die allermeisten absolut keine Ahnung haben. Besser noch: ihr bezahlt dafür sogar ne ganze Menge Kohle um als uninformierte Werbefläche zu fungieren! Dies ließe sich natürlich analog für so jedes Modeprodukt durchspielen. Horden an Sportswear-Soldaten in ihren Abercrombie-Fitch-Uniformen, die durch die Städte ziehen, sind der beste Beweis. Das ist nichts anderes als die freiwillige Unterordnung des Menschen unter Mode und Produkt und die völlige Aufgabe jeder Verantwortung für unseren Konsum. Das lässt meiner Meinung doch sehr tief in unseren Gemütszustand blicken.