Outsourcing

Hach…was mensch nicht mittlerweile alles outsourcen kann. Flüchtlinge outsourcen: CHECK! Ok ok, das ist fast schon ein alter Hut, aber erinnert ihr euch noch an die Petry und ihren Schießbefehl? Selbst den konnten wir mittlerweile an die Türkei outsourcen! Sehr gut Schland, Exportweltmeisterbesieger aller Klassen!

Scheuklappen auf und durch! – Eine Gesellschaftstheorie [Updated]

Nach einiger Zeit ohne Artikel mit Eigenleistung, versuche ich nun mal eine Ahnung zu beschreiben, die mich immer wieder beschleicht, wenn ich aktuelle gesellschaftliche Debatten verfolge: egal um welche Auseinandersetzung es geht -Feminismus, Flüchtlingspolitik, Veganismus, Gleichgeschlechtliche Ehe, Aufbrechen von Rollenbildern/ „Neue Männlichkeit“, you name it- glaube ich eine Konfliktlinie auszumachen, die sich grundsätzlich an der etablieren Links-Rechts-Dichotomie anlehnt, aber dennoch deutlich tiefer sitzt und die inhaltliche Dimension der genannten Themen völlig in den Hintergrund rückt.

Ich gebe zu: das ist bisher keine sonderlich spektakuläre Erkenntnis, aber lasst mich das doch mal ausformulieren. Was ist Links, was Rechts? Ein Klassiker der Politikwissenschaft, der bei jedem PoWi-Studierenden spätestens nach dem 4. Bachelorsemester für einen dezenten Würgereiz sorgt. Eine der bisher treffendsten, nicht zuletzt weil einfachsten, besser anschaulichsten, Definitionen kommt von italienischen Philosophen Norberto Bobbio, der in seinem 1996 veröffentlichen Buch folgende Definition vorschlug: Links ist alles, was gesellschaftliche Ungleichheit abbauen will, Rechts hingegen ist alles was diese Ungleichheit legitimiert. Bis hier ebenfalls noch unspektakulär.

Und wo kommt jetzt die Konfliktlinie ins Spiel? An Bobbios Definition angelehnt, glaube ich, dass wir gegenwärtig eine Auseinandersetzung zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Weltbildern sehen. Das, was bei Bobbio noch etwas diplomatisch „Legitimation von Ungleichheit“ heißt, könnte genauso gut als Weltbild beschrieben werden, dessen Ziel es ist, eine Illusion von Übersichtlichkeit zu realisieren. Sinnstiftende Bilder sind dabei Autorität und Hierarchie. [Ey Akademiker, geht das auch in weniger hochgestochen?!] Ich habe immer das Gefühl, dass es eine unglaublich große Anzahl von Leuten gibt, die, trotz gegenteiliger Äußerungen, zu tiefst unpolitisch sind. Denen ist es eigentlich völlig egal, ob das, was wir haben, nun Demokratie, Kapitalismus, Faschismus, Kommunismus oder sonst wie heißt. Wichtig ist ihnen nur, dass sie ihre eigene kleine soziale Nische haben, in der ihnen keiner auf die Nerven geht und sie ihr auskömmliches Leben haben mit einem Mindestmaß an sozialer bzw. gruppenbezogener Anerkennung. Der harte Kern dieser Leute möchte auch nicht selber denken, wo sich ihre Nische denn nun genau befindet. Am liebsten wäre ihnen eine gutmütige Autorität, die ihnen das abnimmt und ihnen einen Ort zu leben zuweist. Und wer es sich erstmal in der Nische bequem gemacht hat, der möchte natürlich keine Überraschungen erleben. Schon gar nicht möchte mensch erleben, dass irgendwer einem die eigene „hart erarbeitete“ gesellschaftliche Position streitig macht. Strikte gesellschaftliche Hierarchien, damit alle wissen wo sie hingehören und keiner aufmucken kann. Ganz einfach und übersichtlich. Idealerweise befinden sich auch immer Gruppen unter der eigenen, damit mensch der eigenen Machtphantasien wegen, immer noch nach unten treten kann.

Wer sich häufiger mit Rechten Strömungen aller Art auseinandersetzt, wird sehr schnell feststellen, dass die meisten der beteiligten Menschen einfach nur (geistig und materiell) hoffnungslos überfordert sind und sich einfach nur in ihre kleine heile Welt zurück sehnen, die sie verstehen können. Alles was nicht in diese Welt passt, verursacht Angst, dass selbige zerstört werden könnte. Bestes Beispiel: AfD und Neue Rechte. Desto weiter es nach Rechts geht, desto ausgeprägter werden die Vorstellungen von Hierarchie und Autorität, mit Führerprinzip und Kastengesellschaft als extremste Ausprägungen. Entsprechend der eigenen eher seichten Logik sind dann die Menschen der Feind, die diese heile Welt und stabile Ordnung ins wanken bringen könnten. Dies betrifft natürlich allen voran die Gegenseite von Links -umgangssprachlich und trefflich- Gutmenschen genannt, die eben diese eingefahrenen gesellschaftlichen Strukturen aufbrechen und den Abbau gesellschaftlicher Privilegien vorantreiben wollen, die sich die Ordnungsliebenden selbst zuschreiben. Die eingangs genannten aktuellen Themen wie Genderdings, Veganismus, neue Beziehungsmodelle etc. -kurzum: Menschen mit Meinungen, die nicht in die Schubladen der Odrnungsliebenden passen- würden diese Menschen nur zur kritischen Selbstreflektion zwingen, was sie -oh Gott bewahre!- eventuell sogar dazu treiben könnte, das eigene Handeln zu verändern. [1] Und hier ist genau der Knackpunkt: letzteres ist nicht gerade die Stärke von jemandem der auf Autorität und Hierarchie setzt. Diese Menschen wollen keine Veränderung. Oder noch konkreter: die Leute wollen von diesen Themen gar nicht überzeugt werden, da es dem einem Scheuklappen-Weltbild entgegen steht. Gleiches gilt analog für Geflüchtete: auch diese kratzen an den für sich selbst proklamierten Privilegien. Ebenso würden Geflüchtete, wenn mensch sich denn einmal mit ihnen auseinandersetzen würde, neue Ideen und Kulturen mit sich bringen, die wiederum zur Reflektion des eignen Standpunktes führen würde. Bloß nicht, gleiches Problem wie beim Umgang mit den Gutmenschen! Hinzu kommt natürlich, dass Flüchtlinge so prima als Sündenbock für hausgemachte Probleme herhalten können, deren wirkliche Lösung wiederum ein gewisses Maß an kognitiven Kapazitäten jenseits von Schubladen erfordern würde. Ebenso kann den Gutmenschen die Schuld dafür geben werden, dass die eigene übersichtliche Welt angegriffen wird bzw. gegenwärtig bereits nicht mehr existiert. Auch das ist Teil der Übersichtlichkeit: klare Freund-Feind-Bilder.

All das heißt natürlich nicht, dass die Gutmenschen frei von Schuld sind. Ganz im Gegenteil, diese haben fast genauso häufig Scheuklappen auf. Was viele nicht verstehen: wenn das Ideal einer offenen Gesellschaft hochgehalten wird, kann das eben auch dazu führen, dass sich weniger offene Ideale durchsetzten. Wer beispielsweise fordert, dass alle Menschen ihre Beziehungen und Rollen frei wählen dürfen, darf sich nicht beschweren, wenn einige Menschen eben an gewissen konservativen Familien- und Rollenbildern festhalten. Wer andere Ideale nur dann für gültig erklärt, wenn sie in das eigene Weltbild passen, ist ähnlich beschränkt, geistig wie argumentativ, wie die Gegenseite von Rechts.

So, und nun? Was heißt das nun für die laufenden Debatten? Take-home-message: die meisten Debatten die wir gegenwärtig führen sind inhaltlich festgefahren. Mit guten Argumenten wird da keine Seite mehr weiterkommen, da das grundsätzliche Problem der jeweiligen Gegenseite nicht verstanden wurde. Wir können jahrelang über die Vorzüge von offenen Beziehungsmodellen oder tierfreier Nahrung debattieren, werden aber so schnell zu keinem Ergebnis kommen. Leider verlieren viele Leute -insbesondere auch auf Gutmenschenseite- vor lauter guter(!) Argumente, etwas die Metaebene und die Selbstreflexion aus den Augen, was die Debatte nie voranbringen wird.

Dies ist alles mein subjektiver Eindruck, für den ich außer passenden Beispielen, kaum harte Fakten präsentieren kann. Einiges in diesem Artikel ist auch deutlich zu kurz geraten und verdient eigentliche irgendwann mal noch eigene Texte. Bis dahin: eure Eindrücke, Meinungen, Nachfragen, Kritiken…?!


[1] kleine Anmerkung noch: diese Symptome sind nur die oberflächlichsten. Es kann sicherlich kein Zufall sein, dass sich archaische Rollenbilder aller Art besonders im Rechten Spektrum halten. Ich werde, sobald es mir die Zeit erlaubt, mal einen Artikel zu identitätsstiftenden Männlichkeitsbildern schreiben. Das dürfte sehr unterhaltsam werden. 😀


NACHTRAG 08.04.2016: aus gegebenem Anlass: Wer Forderungen stellt, sich zu einer „Kultur“ oder „Werten“ zu bekennen, macht es sich übrigens genauso übersichtlich. Es wird einfach ein Zustand X festgelegt, der unumstößlich richtig ist. Meistens ist dies praktischerweise natürlich der eigene Zustand. Alles was davon abweicht ist böse und will „das eigene“ nur zerstören.

Kognitive Dissonanz des Tages

Auftritt IM De Maiziére:

„Wir sollten nicht der Schiedsrichter beim Thema Menschenrechte für die ganze Welt sein.“

Äh warte: sind Menschenrechte nicht die Legitimation für „humanitäre Interventionen“ weltweit? Di Misere ist auch der Meinung, dass die Türkei, die sich gerade zu einem autoritären Staat entwickelt, der Grundfreiheiten und Menschenwürde mit Füßen tritt und der aus machtpolitischen Interessen halb Kurdistan in Schutt und Asche legt, mit Bezug auf die Aufnahme von Flüchtlingen „Anerkennung“ und nicht „Kritik“ verdiene. Denn das ist der Deal: die Türkei hält „uns“ die Geflüchteten vom Leib, hat dafür aber freie Hand in der Kurdenfrage. Perverseste Doppelmoral. Ein Glück sind wir ja nicht die Schiedsrichter beim Thema Menschenrechte….

facepalm des Tages

Der Leiter des Flüchtlingsheims in Claußnitz (ihr erinnert euch) ist *Trommelwirbel* AfD-Mitglied. Na, da kann doch gar nichts mehr schiefgehen!


UPDATE: Gerüchten zu folge, sollen die Proteste vor dem Flüchtlingsheim durch den Bruder des Heimleiters organisiert worden sein. Mir tut mein Nacken schon weh vom vielen Kopfschütteln.


UPDATE II: Der AfD-Mann ist jetzt versetzt worden. Nicht etwa, weil es eventuell eine dumme Idee sein könnte, Rassisten ausgerechnet Geflüchtete anzuvertrauen, sondern zu seinem eigenen Schutz. Der hat ein prima Leben…

Währenddessen…

….Pogromstimmung in Deutschland. Unter Mithilfe der Polizei.


I don’t want to live on this planet anymore…


UPDATE: Die Polizei will natürlich nichts falsch gemacht haben. Auch der kleine 10 jährige, weinende Junge sei nur durch Gewalt aus dem Bus zu kriegen gewesen. Weiß ja jede/r, dass ein Polizist in Riot Gear keine Chance gegen Kinder hat. Klare Sache. Aber es wird noch besser: gegen zwei der Businsassen sei Anzeige wegen Beleidigung mittels Stinkefinger zeigen erhoben worden. Wenn hingegen 100 Assis menschenverachtende Parolen grölen und Menschen bedrohen ist das…öhm…nun ja…Meinungsfreiheit!

 

Links des Tages

Neue Kategorie: Links des Tages. Alles kaum zusammenhängend und nur kurz kommentiert. Dann wollen wir mal:

Deshalb wird der Schutz der Heime an seriöse Sicherheitsfirmen outgesourced. Sicherheitsfirmen, die entweder professionell die Misshandlung der Geflüchteten übernehmen oder sich gegenseitig mit Handgranaten bewerfen. Was kann da schon schief gehen?

          Das hier kann schief gehen!

Roundhouse!

Die Polizei scheint immer aggressiver gegen Linke/Alternative Strukturen vorzugehen, dieses Mal hat es ein Jugendzentrum in Hannover erwischt. Als Begründung galten Kontakte zur PKK. Also nicht direkt zur PKK, aber Kurden die eventuell Kontakte zur PKK haben könnten. Und das sind doch alles Terroristen! Also gute Terroristen sind die Kurden, immerhin liefert Schland seit knapp anderthalb Jahren Waffen an die Kurden und wir würden doch niemals Waffen an Terroristen oder in Krisengebiete liefern. (Das hat der Siggi versprochen und der passt da schon auf!) Nochmal zum besseren Verständnis: der Terrorist, in diesem Fall der Kurde, der gegen böse Terroristen kämpft, ist ein guter Terrorist, allerdings nur solange er dort bleibt wo er nun mal gerade ist. Kommt der gute Terrorist auf die Idee zu uns zu kommen, wird aus dem guten Terrorist ein böser Terrorist. Der böse Terrorist hingegen bleibt standortunabhängig immer ein böser Terrorist. Es sei denn die Weltlage ändert sich. [Hier bitte das Bild eines aus der Ferne winkenden Mudschahed einfügen]

Aber ich schweife ab, zurück zur Polizei: die ist so damit beschäftigt Jugendzentren zu stürmen und sich straffrei durch die Republik zu prügeln, dass der Schutz von Flüchtlingsheimen etwas zu kurz kommt. Ihr wisst schon: der Personalmangel. Knapp 1000 Anschläge auf Unterkünfte im letzten Jahr, Polizisten, die die Geflüchteten gleich selber misshandeln, das ist alles nicht zuträglich für das eigene Image. Deshalb wird der Schutz der Heime an seriöse Sicherheitsfirmen outgesourced. Sicherheitsfirmen, die entweder professionell die Misshandlung der Geflüchteten übernehmen oder sich gegenseitig mit Handgranaten bewerfen. Was kann da schon schief gehen?

Aber liebes Partyvolk, haltet aus, Rettung ist in Sicht: Gravitationswellen sind nachgewiesen! Heißt, dass wir wieder einen Schritt näher an der Erfindung des Warp-Antriebes sind, mit dem dann die letzten Vernünftigen endlich ganz ganz weit von diesem irdischen Unsinn weg fliegen können….


UPDATE auf Nachfrage: laut Star Trek sind’s nur noch 45 bzw. 47 Jahre bis zur Erfindung des Warp-Antriebs. Das sollte eventuell sogar noch in meiner Lebenszeit machbar sein. Allerdings steht laut Star Trek vorher auch noch der Dritte Weltkrieg an…

…und wenn ich wetten sollte, welche Vorhersage am ehesten eintrifft, Warp oder WK3, ich hätte da eine Vermutung.

Ernsthaft jetzt?

Bei dem Umzug fuhr auch ein als Panzer dekorierter Wagen mit den Aufschriften „Ilmtaler Asylabwehr“ und „Asylpaket III“. […]

Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hatten zwei etwa 30 Jahre alte Brüder den Faschingspanzer in Frankfurt gekauft […]  „Wir haben keine Zensur hier beim Faschingszug“, sagte Konrad Moll vom OCV Steinkirchen, „die Buben wollten doch nur a Gaudi“. Einen rechten Hintergrund will er auf keinen Fall erkennen können. Er habe die Aufregung anfangs auch gar nicht verstanden.

Wenn Hetze sich als Volxfest verkauft, wirds meistens gefährlich. Zum Glück liegt kein „rechter Hintergrund“ vor.

Ohne. Worte.

gefunden: HIER

Wir haben doch kein Geld!

Jährlich bräuchte es ca. 10 Mrd. Euronen um alle Flüchtlinge, ohne Obergrenze, unterzubringen. Da heißt es dann immer, geht nicht, „wir“ haben doch kein Geld!

Als Fachkraft für passend unpassende Vergleiche, versuche ich mich mal an einem solchen: Neulich lobte ich die Bundeswehr noch für ihre freiwillige Selbstentwaffnung, nun wird wieder kräftig aufgerüstet: etwa 9 Mrd. für die nächsten 13 (!) Jahre zusätzlich, also etwa 130Mrd. Euro, passenderweise recht genau der Betrag der jährlich für Geflüchtete gebraucht würde. Mal eben so, ohne viel Bürokratie und ohne ganz große Pressemeldungen. Wo kommt den das Geld plötzlich her?

Es ist das alte Spiel: Geld für Bomben? Kein Problem! Geld für die Folgen der Bomben? Ähm…öhhh…


UPDATE: Um dem ganzen noch das i-Tüpfelchen aufzusetzen, kommt gerade folgende Nachricht rein: Flüchtling in Berlin gestorben, weil er tage- und nächtelang vorm Lageso anstehen musste. So sieht das dann aus, wenn mensch Geld für Bomben statt Menschen ausgibt. Einfach nur noch pervers diese Welt.

[X]

In Bayern und BaWü nehmen die staatlichen Organe den Geflüchteten jetzt das mitgebrachte Geld ab. BaWü, ein Bundesland das von einem grünen MP geführt wird! Ihr wisst schon, die Grünen sind die, die mal eine pazifistische Partei waren und Menschenrechte über alles gestellt haben.

Irgendwie kommt mir das alles bekannt vor, lasst mich kurz nachdenken: Menschengruppen ihren Besitz abnehmen, um sie anschließend in Lager zu stecken, in denen sie vor Nazis nicht sicher sind…irgendwas dämmert mir da…