Geh wählen, du Kartoffel!

Die Wahllokale in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und BaWü sind offen. Bewegt euren Allerwertesten zur nächstgelegenen Urne und macht euer Kreuz irgendwo links von der CDU, denn…

..wählen ist wie Zähneputzen: beides dauert nur 3 Minuten und wenn du’s vergisst, wird’s braun!

Zugegeben kein sonderlich innovatives oder kreatives Zitat, aber selbst ich, als überzeugte Zweifler an dem was gerne Demokratie genannt wird, muss zugeben, dass Wählen gegenwärtig das einzige Mittel ist, um die AfD-Faschisten in den Parlamenten klein zu halten. Also Arsch hoch! #noafd

Ich sage es auch ganz ehrlich und ohne es mit der Dramatik übertreiben zu wollen: mich gruselt es jetzt schon vor den Hochrechnungen heute Abend, besonders in Sachsen-Anhalt. Ich habe die abstrakte Angst, dass eines Tages meine Kinder mich fragen, „warum habt ihr denn damals, 2016, nichts gegen die Faschisten gemacht?“, genauso wie wir unsere (Ur-) Großeltern fragen mussten, warum sie 1933 nur apathisch zuschauten, als die NSDAP durch die Straßen zog. Zu groß sind die Parallelen…


UPDATE [2016_03_13 11:30Uhr]: Ich gab gerade meine Stimme ab und war doch sehr angenehm überrascht. Obwohl es erst halb 12 war, war das Wahllokal schon sehr gut besucht. Das gibt mir etwas Hoffnung.

None of the above!

Passend zu den anstehenden Landtagswahlen morgen, geht es in dem heutigen Artikel um etwas Wahlrechtstheorie. Dass es besonders die Politikverdrossenheit ist, die uns jetzt auf die Füße fällt, nachdem sie jahrelang von der Politik ignoriert bzw. sogar ausgenutzt wurde, hatten wir HIER bereits. Eine Frage, die man sich in diesem Zusammenhang stellen könnte, wäre, ob die Unzufriedenheit der Abgehängten bereits vorher, durch eine Modifikation des Wahlrechts, hätte kanalisiert werden können.

Eine Möglichkeit, die immer mal wieder genannt wird, ist die Einführung von sogenannten „None of the above“-Modellen. Diese sind relativ simpel, was den Vorteil hat, dass der Aufwand für WählerInnenbildung und Wahlrechtsreform sehr gering ist. Im wesentlichen wird einfach auf dem normalen Wahlzettel eine Alternative hinzugefügt: „ich wähle keine/n der Genannten“. Je nach Ausgestaltung des System, könnte ein Quorum festgelegt werden, beispielsweise 30 Prozent. Wenn die „keine/n der Genannten“-Alternative dieses Quorum überschreitet, muss die Wahl wiederholt werden, notfalls solange, bis die Parteien passende KandidatInnen gefunden haben, die dem Pöbel genehm sind. (was in einer Demokratie ja eigentlich Grundvoraussetzung sein sollte)

Ich war bisher kein großer Fan dieses Ansatzes, da ich ihn in Praxis für schwer umsetzbar hielt. Meine Befürchtung gingen in die Richtung, dass die zusätzliche Alternative, nur als Auffangkategorie dient, die es sehr leicht macht für alle politischen Strömungen „dagegen“ zu sein, ohne eigene, konstruktive Lösungen zu entwickeln. Wenn alle Nicht-WählerInnen, sowie die, die bisher wahllos ihr Kreuz bei den Volxparteien gemacht haben, nun einfach „dagegen“ votieren, haben wir zwar eine steigende Wahlbeteiligung und eine deutlichere Abbildung des WählerInnenwillens, aber um den Preis, dass locker 50% der Wahlberechtigten sich in dieser Auffangkategorie wiederfinden, ohne, dass dies grundsätzlich was an der Unzufriedenheit ändert.

Ich bin von dieser Position mittlerweile etwas abgerückt. Die Vorteile dieses Systems werden besonders auf die gegenwärtige Situation, mit der AfD bzw. Rechtspopulismus/-radikalismus im Allgemeinen und einem hohen Grad an Unzufriedenheit mit den etablierten Demokraten, angewandt, deutlich. Einer der Vorteile ist, dass besonders die ProtestwählerInnen die Möglichkeit haben gegen die Etablierten zu stimmen, die eigentlich demokratische Grundüberzeugungen haben, aber auf Grund von Enttäuschung gegenüber allen etablierten Parteien bisher zu Hause geblieben sind. Diese könnte ihrem Protest Ausdruck verleihen, bevor die Enttäuschung sich radikalisiert und in Systemfeindlichkeit umschlägt. Diese Option gab es bisher nicht. Stattdessen sammeln sich die Abgehängten nun hinter den AfD-Nazis, da diese suggeriert die einzige Partei zu  sein, die sich gegen eben diese Etablierten stelle.

Ein weiterer Vorteil, der weniger mit der AfD zu tun hat, sich aber mit meiner Kritik an Parteipolitik decken würde: bisher wurden ALLE KandidatInnen in parteiinternen Prozessen „ausgemoschelt“, ohne dass Otto Normal oder Lieschen Müller da einen wirklichen Einfluss drauf hat. Ja ja, mir ist bewusst, dass theoretisch jede/r politisch aktiv werden kann, aber sind wir mal alle ehrlich miteinander: dies ist in der Praxis extrem schwierig. Entweder ich trete selbst einer Partei bei und unterziehe mich dem parteiinternen Selektionsprozess, der meiner Meinung nach auf reinen Konformismus setzt und damit jedes alternatives Denken im Keim erstickt, oder ich gründe eine eigene Wahlgemeinschaft, was für die allermeisten, mich mit eingeschlossen, schon aus Zeitgründen nicht möglich ist. Die „dagegen“-Alternative würde die Parteien schon frühzeitig dazu zwingen KandidatInnen auszuwählen und Politiken zu präsentieren, die konstruktiv und wirklich mehrheitsfähig (gemessen an der Gesamtbevölkerung, nicht der abgegebenen Stimmen) sind. Schaffen die Parteien dies nicht, so wie m.E. gegenwärtig, kann dagegen gestimmt werden, zur Not eben solange, bis die Parteien dieses Problem endlich gelöst bekommen und damit das tun, wofür sie in einer Demokratie eigentlich da sind: die Bevölkerung „von unten“ repräsentieren, statt elitärer Selektion.

Ich habe zu dieser Möglichkeit bisher noch keine abschließende Meinung. Ich habe auch nur die mir wichtigsten Argumente sehr subjektiv ausgewählt und weise ausdrücklich darauf hin, dass es deutlich mehr Gründe für und wider einer solchen Regelung gibt. Ich denke aber auch, dass es -wenigstens auf Kommunalebene- durchaus mal einen Versuch wert wäre, auf diese Weise wieder mehr Wahl in die Wahlen zu bekommen. Meinungen?

AfD Folge 3285

Du weißt, dass du zu Nazi bist, wenn dich selbst die Konservativen aus der EU-Fraktion (EKR) schmeißen. Zur EKR gehörten übrigens so sympathische Parteien, wie die britischen Tories, die polnische PiS (das sind die, die gerade in Polen das Rad der Zeit zurück drehen), die Nazis der „Wahren Finnen“ uns bisher eben auch die AfD.

Wahlprogramm AfD-SA

Der Verein Miteinander e.V. hat sich HIER mal die Mühe gemacht das „Wahlprogramm“ der AfD-Sachsen-Anhalt auseinander zunehmen und einzuordnen. Wie ich bereits hier im Blokk irgendwo mal schrub, ist das Programm mehr als bloß eine Hetzschrift gegen Geflüchtete. Die Autoren zeigen, dem Format geschuldet leider etwas zu knapp, wie sehr sich die AfD in allen Politikbereichen über Volk und Identität definiert. Egal ob Einwanderung, Bildung oder Kultur: was einige immer noch als „erzkonservativ“ bezeichnen würden, ist nichts anderes als pure völkische Ideologie. Argumentativ, wie auch rhetorisch, sind die Parallelen zur NSDAP oder Addis „Mein Kampf“ frappierend.

Ich muss ehrlich sagen, dass sich Teile des Programms gelesen haben, als ob es völlig aus der Zeit gefallen ist. Es ließt sich eher wie eine Streitschrift aus der Zeit der Weimarer Republik. Die Lösung der AfD für so ziemlich Alles liegt darin, einfach die Zeit zurückzudrehen. Zurück zur nationalen Identitäten, rechtlich-verankerter Rassismus und zu den Tugenden, die in zwei Weltkriege geführt haben. Mit dem Hintergrund wäre es wohl falsch die AfD auf Populismus und Protest zu reduzieren, denn sie ist, ideologisch und rhetorisch betrachtet, tief in der NS-Ideologie verwurzelt bzw. stellt sich selbst in deren Traditionslinie. Damit führt die AfD den Faschismus ins 21. Jahrhundert und macht ihn wieder salonfähig.

Es wird gerne das Argument gebracht, dass die Demokraten Anfang der 1930er die Gefahr durch die Nazis nicht abschätzen konnten und diese deshalb unterschätzt hätten. Wir hingegen seien durch unser Vorwissen deutlich sensibilisierter, weshalb „so etwas“ auch nicht noch mal passieren könne. Solange wir nicht deutlich benennen, dass die AfD-Menschen keine Populisten, sondern Faschisten sind, halte ich dieses Argument eher für eine Durchhalteparole zur Gewissensberuhigung. Ich habe im Geschichtsstudium noch gelernt „Geschichte wiederholt sich nicht“. Weil isso. Ich hoffe: stimmtso. Allein mir fehlt der Glaube…

Ein bedauerlicher Einzelfall

Meldung of WTF:

Waffen, Waffenteile, Munition, Hakenkreuzflaggen und Nazi-Nippes im Keller gefunden, gesamt knapp 1000 Teile. Huch, haben da Nazis ein Waffenlager angelegt? Droht uns neuer Rechtsterror?

Nein, nein, alles kein Problem. Der Mann ist Polizist und das sind doch die Guten. Natürlich ist der Polizist auch weiterhin im Dienst.

Gleichzeitig wird der in der Rigaer Straße gefundene Bauschutt bereits als staatsgefährdendes Waffenlager eingestuft. Merke: wenn ihr schon einen Vorrat an Waffen einlagert, dann hängt auch mindestens eine Hakenkreuzflagge daneben, bestenfalls arbeitet noch im Staatsdienst. 😉