Pascal schrub im Nachgang der LTWs HIER folgendes:
Und ich kann die Menschen bis heute noch nicht nachvollziehen die behaupten die Parteien würden sich alle nicht unterscheiden. Man muss doch nur einmal hinsehen!
Das halte ich ja schon wieder für ein akademisches Scheinargument. Ja klar gibt’s Unterschiede, aber für wen? Und wie wichtig sind die? Die AfD ist vor allem von der seit 40 Jahren wachsenden sozialen Unterschicht gewählt worden, die sich aus nachvollziehbaren Gründen von jeglicher politischer Partizipation verabschiedet haben. Wir reden hier von Leuten, die über Jahre hinweg am Existenzminimum gehalten und gegen andere soziale Gruppen ausgespielt wurden. Als ob die es interessiert, wie hoch nun genau die Förderung für Elektromobilität ist. Oder ob wir lieber ein paar mehr oder weniger Bomben auf Syrien schmeißen. Ob G12 oder G13., oder Energiewende, Kulturförderung (für die Oberschicht) usw usw. Wir reden hier über Menschen, deren einziges Ziel es ist Kohle zusammen zu kratzen, irgendwie arbeiten zu finden und halbwegs sorgenfrei über die Runden zu kommen. Die genannten Unterschiede sind für diese aber völlig irrelevant. Sie haben über Jahrzehnte hinweg Regierung jeglicher Farbkombinationen gesehen, ohne dass sich ihre Lage auch nur ansatzweise gebessert hat. Sogar das Gegenteil ist der Fall. Die Unterschicht wächst, finanzielle Zuwendungen werden immer knapper, jeder Arbeitslose wird pauschal verdächtigt „Sozialbetrüger“ zu sein und wenn es doch Arbeit gibt, wir sie meisten sittenwidrig bezahlt. Diese Entwicklung haben ALLE Parteien begleitet, besser: gestaltet. Wen sollen sie also wählen? Warum sollen diese Menschen noch Vertrauen in die Demokraten?
Ich schlage mal vor, dass wir uns eher mit den Gemeinsamkeiten der Parteien beschäftigen, statt Konflikte um irrelevante Kleinigkeiten als Errungenschaften der Demokratie zu verkaufen. Auffälligsten Gemeinsamkeit: die demokratischen Parteien sind allesamt kapitalistische Parteien (sollte unstrittig sein). Und Kapitalismus funktioniert nun einmal mit einer Akkumulation von unten nach oben. Dafür muss mensch noch nicht mal Marxist sein, um das als gesicherte Tatsache zu begreifen, von daher fördern alle Parteien diese Umverteilung. Denkt denn ernsthaft jemand den Abgehängten ist es wichtig von wem sie klein gehalten werden? Kapitalismus, egal ob grün angemalt oder mit roter Schleife, bleibt nun einmal Kapitalismus. Die Schafe dürfen sich ihren Schlachter selbst wählen. Und wir situierte akademische Mittel- und Oberschicht werfen den Leuten auch noch vor doof zu sein, weil sie die unterschiedliche Messerlängen der diversen Schlachter nicht als wesentliche Unterschiede verstehen können.
Solange die Demokraten die soziale Lage der unteren 30% nicht deutlich verbessern, dürfen wir uns nicht wundern, wenn Unterschiede verschwimmen und die Leute den Rechten Rattenfängern ins Netz gehen. Wenn ich mir die Reaktionen der Demokraten nach der Wahl anschaue, wird mir allerdings Angst und Bange. Sie haben nichts gelernt. Statt sich gemeinsam gegen den Keim des Faschismus zu wehren und dessen Ursachen zu bekämpfen, verfallen sie in bekannte Muster: alle sind „besorgt“, manchmal sogar „beschämt“ ob des AfD-Ergebnisses, verlieren sich aber sogleich wieder im ewig gleichen Postengeschacher und in gegenseitigen Anschuldigungen. Die Unfähigkeit der Demokraten aus ihren eigenen Fehlern zu lernen, macht mir fast noch mehr Angst als die 15% der verwirrten Bevölkerung, die in Sachsen-Anhalt die AfD gewählt haben…